MAD-Blog

Tag: Geschichte

Am Ende aller Tage

by on Jan.23, 2011, under Allgemeines, Geschichten

Irgendwann werdet ihr alle gegangen sein und niemand ist mehr da.

Niemand außer ich.

Ich werde durch die Straßen laufen und mir die Schaufenster anschauen, die Puppen mit dem leeren Blick werden mir kein Zeichen der Beachtung schenken. Ich werde auf der Straße liegen, es wird kein Auto kommen. Ich werde an alle Türen klopfen, öffnen wird niemand. Ich werde rufen, antworten wird niemand. Ich werde warten, doch kommen wird niemand.

Ich werde auf einem Turm stehen und auf das Land blicken, dessen alleiniger Herrscher ich sein werde.

Ich werde in einem Bett schlafen in dem niemand anders mehr schlafen wird. Ich werde von einem Teller essen von dem niemand anders mehr essen wird. Ich werde ein Glas fallen lassen, dessen Scherben niemand mehr aufkehren wird.

Ich werde ein Haus verlassen, dass nach mir von niemandem mehr betreten wird. Ich werde auf einer Schaukel sitzen, die nach mir niemanden mehr schaukeln wird. Ich werde in einen Spiegel schauen, der nach mir niemanden mehr spiegeln wird.

Ich werde als letzter einen Berg besteigen. Ich werde als letzter auf ein Tal sehen. Ich werde es nicht betreten. Der Regen wird fallen und ich werde der letzte sein der in ihm tanzt. Der Winter wird kommen und ich werde der letzte sein der friert.

Ich werde der größte sein, ich werde der kleinste sein, ich werde der einzige sein.

Ich werde ein Buch lesen, und die letzten Augen die es sieht, werden die meinen sein.

Ich werde ein Bild von dir finden, ich werde es ansehen, ich werde es einstecken und von da an bei mir tragen.

Ich werde mit mir allein unter einer Decke stecken. Ich werde mit mir zusammen in einem Boot hocken. Ich werde hinter meinem Rücken über mich reden. Ich werde mich aus meiner Gesellschaft ausstoßen.

Ich werde Mensch ärgere dich nicht spielen, ich werde gewinnen und niemand wird sich ärgern.

Ich werde ein paar Stöckchen in der Hand halten. Ich werde den kürzeren ziehen.

Ich werde ohne zu gucken über die Straße gehen.

Ich werde eine Tafel Schokolade noch vor dem Mittagessen essen.

Ich werde die Toilettenbrille oben lassen.

Ich werde mir nicht die Hände waschen.

Ich werde mir ein Bein stellen.

Ich werde niesen. Ich werde nicht Gesundheit sagen.

Ich werde das Meer erreichen. Die Wellen werden nur meine Füße umspülen. Der Sand wird nur in meinen Schuhen sein. Ich werde ein Schiff finden. Ich werde damit fahren lernen. Ich werde aufs weite Meer hinaus fahren. Ich werde den Horizont zum Duell herausfordern. Ich werde fahren bis das Schiff auseinander bricht. Ich werde dein Bild ansehen. Ich werde der untergehenden Sonne zunicken und salutieren, bevor ich der letzte sein werde der diese Welt verlässt.


Ich werde enden.


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Bon appétit – A Chef’s Tale

by on Dez.24, 2009, under Arbeit

Geschichte

Es sind ein paar Jahre vergangen, seit ich meine Ausbildung als Koch angefangen habe. Die Zeit war nicht immer leicht, doch hat sie mich gelehrt zu arbeiten. Ich habe viel gelernt und auch wieder viel vergessen. Ich habe Gerichte aus den Küchen dieser Welt gekocht.
Deutsch, Amerikanisch, Russisch, Chinesisch, Japanisch, Italienisch, Französisch, Spanisch, Indisch und wahrscheinlich noch viel mehr.
Ich habe auf allen Posten gearbeitet. Kalte und warme Vorspeisen, Salate, Beilagen, Suppen und Saucen, Fleisch und Fisch sowie Desserts habe ich gemacht. Ich habe Büffets, Menus, à la carte und Show cooking gemacht. Ich war Azubi und ich war Küchenchef.
Ich habe für viel und für wenig Geld gearbeitet, und auch umsonst. Die meiste Zeit als Koch habe ich in sehr guten Restaurants verbracht.
Mein Ausbildungsbetrieb ist hier im Landkreis derartig hoch angesehen, das die erwähnung des Namens oft schon ausreicht um als Koch in diversen Restaurants in Südhessen arbeiten zu können.

Das gute daran…

Ein Vorteil ist, dass einem als Koch oft viel Respekt entgegen gebracht wird. Viele Menschen, insbesondere Frauen, schätzen diesen Beruf sehr.
Man hat viele Möglichkeiten, z.B. gibt es viele Weiterbildungsmöglichkeiten in alle Richtungen. Ob man sich mehr auf Patisserie spezialisieren möchte, oder ob man vielleicht eine diätische Schulung machen will, alles ist möglich.
Restaurant oder Kantine? Fester Posten oder doch lieber Springer sein? Angestellter oder vielleicht Selbstständig? Andere ausbilden oder Kochkurse veranstalten? Es liegt immer an einem selbst was man tut.

Hinter den Kulissen…

Leider haben 80% aller Menschen die ins Restarant gehen um dort lecker zu essen, eine völlig falsche Vorstellung von diesem Beruf.
Die meisten wissen nicht wie schwer es ist, und wieviel Arbeit dahinter steckt damit jeden Abend Gäste mit Essen versorgt werden können.
Wenn man spät abends aus der Stadt kommt und kurz vor 23 Uhr noch etwas essen möchte, ahnt man meistens nicht das der Koch der das Essen zubereitet, bereits seit 12 Stunden auf Arbeit ist und einfach nur nach Hause möchte. Kaum jemand weiss das viele Köche 6 oder 7 Tage Wochen haben, und über 60 Stunden in der Woche arbeiten müssen. Hitze, Lärm, Stress und das heben schwerer Lasten gehören genauso zum Alltag wie das zubereiten von Gerichten. Und an Feiertagen wird auch gearbeitet, denn da möchte man schließlich auch etwas essen.
Trotz vieler Arbeitsstunden, hält sich die Bezahlung oft in Grenzen.
In der Gastronomie werden nur die Wenigsten reich, die meisten kommen über die Runden, und ein paar werden verrückt…

Kuriositäten

In der Gastronomie erlebt man die skurrilsten Sachen. Man trifft merkwürdige Gestalten in der Küche wie im Restaurant, erlebt mitunter witzige aber auch verstörende Dinge. Köche ansich sind ein komischer Menschenschlag. Oft ziemlich versaut und grob.
Unter ihnen finden sich Alkoholiker, Drogensüchtige, Kettenraucher und Kaffee-Junkies.
Ich bin froh zu keiner der eben genannten Gruppen zu gehören.
Manche versuchen mangelnde Fachkompetenz mit übertrieben Machohaftem Verhalten zu überspielen,
andere hingegen verstecken ihr Können damit sie sich besser unterordnen können.
Auch die Gäste überraschen einen immer wieder. Da gibt es Leute die zum ersten mal im Restaurant sind und etwas bestellen das es gar nicht gibt.
Ein älterer Herr wollte einmal ein “Schnitzel Europa” bei uns essen, obwohl es das bei uns nie gegeben hatte.
Letztens hatten wir einen Doktor bei uns. Er kam um 16 Uhr ins Restaurant. Zu dieser Zeit haben wir eigentlich wegen Mittagspause geschlossen.
Mein Chef war aber noch da und hat den Mann bekocht, er konnte alles bekommen was er wollte.
Er war sehr zufrieden und zeigte sich mit einem fürstlichen Trinkgeld in höhe von ein paar Cent erkenntlich.
Andere feiern ihre Hochzeit bei uns und geben soviel Trinkgeld, dass jeder Mitarbeiter 10-20 Euro bekommt.
Es gibt Gäste die die Köche beleidigen, es gibt Wirte die ihre Gäste beleidigen und mit Hausverboten um sich werfen, weil sie mit Kritik nicht umgehen können.
Es gibt Restaurants mit 3 Essen auf der Karte und es gibt welche mit 150 Essen auf der Karte.
Von ungelernten Hobbyköchen bis zu Meisterköchen tummelt sich alles in der Gastronomie.

Zukunft

Trotz allem was ich als Koch erlebt habe, sei es gut oder schlecht gewesen, ist meine Zeit als Koch so gut wie abgelaufen. Wie es weiter geht und was ich dann mache ist noch ungewiss. Vielleicht werde ich im Bereich Grafik oder Werbung arbeiten. Wenn dies so sein sollte, kann ich der Gastronomie aber wenigstens in diesen Bereichen treu bleiben. Wir werden sehen was die Zukunft bringt.

Nun ist dieser Beitrag über meinen Beruf zu Ende, aber eventuell wird es noch einen zweiten Teil geben.

In diesem Sinne…

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